Psychohygiene mit Warda - DDr. Désirée Prosquill beantwortet Leserfragen (c) Titelbild Credits: Shutterstock

Psychohygiene mit Warda - DDr. Désirée Prosquill beantwortet Leserfragen

In dieser Ausgabe beantwortet DDr. Désirée Prosquill zwei LeserInnenfragen zum Thema Homeoffice und der Angst vor finanziellem Ruin, weil beide Fragen auch für andere LeserInnen von Relevanz sein dürften. 

Liebe LeserInnen, Liebe Leser!

Stehen Sie noch unter Schock oder hat sich der bei Ihnen auch schon etwas verflüchtigt?

In den Sozialen Medien habe ich vermehrt den Eindruck, die Schockstarre lässt langsam nach, die Leute erwachen wieder und beginnen ihre Gedanken zu sortieren. Gut so, bitte weiter so, und denken Sie immer daran, der Kopf wurde uns ja nicht weggenommen. Benützen Sie ihn! Und lassen Sie sich keine unbegründete Angst machen - immer nur an den Fakten orientieren.

Die letzten Tage habe ich von zwei Leserinnen Anfragen erhalten, auf die ich in meiner Kolumne eingehe, weil sie viele von uns betreffen und daher für die gesamte Leserschaft von Wert sind. 

Wie gehe ich jetzt mit meiner Angst vor dem finanziellen Ruin am besten um?

Nun, leider gibt es dafür keine allgemein gültige Antwort, denn jeder von uns tickt einfach ganz anders. Und bei jedem von uns sind es unterschiedliche Gründe, warum die Angst gerade jetzt auftritt - ob sie nun gerechtfertigt ist oder eine Sorge, die einen immer schon begleitet hat, aber jetzt nochmal durch die Umstände getriggert wird und verstärkt auftritt.

Für eine genauere Beurteilung Ihrer konkreten Angst kann ich Ihnen eine Psychotherapie wärmstens empfehlen. Aber was sie generell jetzt probieren können ist:

Auch hier sich nur an den Fakten zu orientieren. Wir leben in einer Demokratie, der Staat hat uns gerade auf Taschengeld umgestellt. Für alles andere wird von der Regierung gesorgt, vertrauen Sie darauf, dass das auch so umgesetzt wird. Haben Sie keine Angst vor bürokratischen Hürden. Schrittweise wird sicher für alles gesorgt werden. 

Heut’ ist Heut’ und Morgen ist Morgen! TIPP: Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen. Erzeugen Sie untertags reichlich Schlafdruck, z.b. durch Sport, Bewegung, putzen, die Kinder bespaßen. Legen Sie sich zu Mittag nicht hin und konsumieren Sie am Abend besser keine Medien mehr, vielleicht nur noch etwas „leichtes“ lesen, das sollte ebenfalls ermüden. Falls das alles nichts hilft, scheuen Sie sich nicht davor einen Facharzt für Psychiatrie zu konsultieren. Oft kann ein angstlösendes Medikament oder ein schlafanstossendes, niedrig dosiertes Mittel schon Wunder bewirken. Nehmen Sie bitte Hilfe in Anspruch. Manchmal reicht es auch schon mit jemandem über seine Ängste kurz zu sprechen...

Mich macht die Homeoffice Situation fertig, wie soll ich das alles schaffen?

Gute Frage! Mit der klassischen Phantasie vom Homeoffice hat die aktuelle Situation für die meisten ja rein gar nichts zu tun. Viele haben im selben Haushalt tobende oder lernende Kinder, die zusätzlich bespaßt, bekocht und gepflegt werden möchten, und vielleicht auch noch einen Partner, der ebenso auf Homeoffice umgestellt wurde.

Räumlich kann man sich nicht gut distanzieren, Telefongespräche müssen geführt werden, Besprechungen abgehalten. Zusätzlich versuchen die Lehrer mit einer fraglichen Eifrigkeit ihren Lernstoff durchzuboxen. Wann wenn nicht jetzt ist das Burnout Risiko am grössten. 

TIPP: Schrauben Sie Ihre Erwartungen kräftig zurück, und vorallem auch Ihr Arbeitgeber. Die Situation ist für viele derzeit so belastend, dass man schnell vom Gas runter muss, um das längerfristig durchhalten zu können. Das ganze Homeoffice Thema kann nur glücken, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer realistisch bleiben und sich eingestehen, dass das im Moment nur ein Provisorium darstellen kann.

Danke herzlich für Ihre Anfragen, ich hoffe ich konnte etwas weiterhelfen.

In freudiger Erwartung Ihrer weiteren Zuschriften!

Dr. Désirée Prosquill

Ihr habt die Möglichkeit, mit unserer Kolumnistin direkt in Kontakt zu treten und ihr Fragen zu stellen, die sie in der nächsten Ausgabe beantworten wird. Entweder macht ihr das über die Kommentarfunktion oder im Falle sehr persönlicher Informationen - zum Schutze eurer Identität - per Mail an desiree.prosquill(at)gmail.com

DDr. Désirée Prosquill
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin
Psychoanalytikerin (Kinder/Jugendliche/Erwachsene)
Psychosomatik - Sportpsychiatrie - Psychotherapie.
Laudongasse 31/5/15, 1080 Wien,T. 944 63 43.
Hauptplatz 3, 2115 Ernstbrunn, T. 02576 2403.

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