Amazon frech wie eh und je - Jeff Bezos bittet die Öffentlichkeit um Spenden (c) Titelbild Credits: Jonathan Weiss / Shutterstock

Amazon frech wie eh und je - Jeff Bezos bittet die Öffentlichkeit um Spenden

Die Nachrichten um Amazon bewegen sich meist im Segment der Skandale. Wenig Positives zu berichten – sei es nun das Umgehen von Steuern, der Umgang mit den Mitarbeitern oder auch das Ausspähen von Kundendaten. Nach all den fragwürdigen Aktionen legt Jeff Bezos jetzt sogar nochmal nach.

Im Februar dieses Jahres versuchte Jeff Bezos - CEO von Amazon und derzeit reichster Mann der Welt – noch, mit seiner Ankündigung zum „Bezos Earth Fund“ positive Nachrichten zu erzeugen. Doch sogar der 10 Milliarden Fond zum Schutz der Umwelt gerät vielseits in Kritik – nämlich aus den eigenen Reihen. Ein öffentliches Statement der „Amazon Employees for Climate Justice“ brachte zu Tage, dass Amazon Öl- und Gasunternehmen unterstütze, die mittels Bohrungen an der Verwüstung unserer Erde maßgeblich beteiligt sind.

Das ist aber nicht der einzige Kritikpunkt. „Wann wird Amazon die Verantwortung für die Lungen von Kindern in der Nähe seiner Logistikzentren übernehmen, indem man von Diesel- auf vollelektrische Lastwagen umsteigt?“, reagieren sie weiters in dem Statement auf die Doppelmoral des Amazon- Gründers. Sie werfen Jeff Bezos vor, sogar Mitschuld an der Klimakrise zu tragen: „Wird Jeff Bezos uns echte Führung zeigen oder wird er weiterhin an der Beschleunigung der Klimakrise mitschuldig sein, während er angeblich versucht, zu helfen?“

Das nächste Fettnäpfchen von Jeff Bezos

"Wir richten den Amazon Relief Fund mit einem anfänglichen Beitrag von 25 Millionen US-Dollar ein, der darauf abzielt, unsere unabhängigen Lieferservicepartner und deren Fahrer, Amazon Flex-Teilnehmer und Saisonarbeiter in finanziellen Schwierigkeiten in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen." – klingt doch alles sehr nett, oder? Denn weltweit sind MitarbeiterInnen und AuftragnehmerInnen betroffen, die um ihre wirtschaftliche Überlebensfähigkeit bangen.

Grundsätzlich wäre sein Spendenaufruf nichts verwerfliches, betrachten wir die aktuelle Situation und die Auswirkungen, die das Coronavirus auf viele Unternehmen hat. Doch im Lichte der Tatsache, dass dieser Mann 230.000 US- Dollar pro Minute verdient, kommt verständlicherweise die Frage auf: „Geht’s noch?“

Das 1 Billionen US- Dollar schwere Unternehmen, dass in Bezug auf Arbeitsrecht immer wieder Verletzungen begeht, der Steuer mit allen möglichen Mitteln aus dem Weg geht und zuletzt auch wegen den Arbeitsbedingungen erneut kritisiert wurde – es fehlt die Schutzausrüstung für MitarbeiterInnen des Logistikzentrums und zudem wurde auf sie großer Arbeitsdruck ausgeübt -, besitzt die Frechheit, die öffentliche Hand darum zu bitten, seinen eigenen verarmten MitarbeiterInnen zu helfen - Capitalism at it‘s best.

1585054144 reliffund

Credits: Screenshot / amazonrelieffund.org/

Gutes nur, um schlechtes zu überdecken

Wenn es um Spenden geht, ist Jeff Bezos nicht zurückhaltend. Sie bringen ihm auch immer wieder Lob seitens der Medien, wie beispielsweise bei der Hilfe von einer Million australischer Dollar für den Kampf gegen das Buschfeuer. Großzügig dieser Herr Bezos – oder etwa doch nicht? Rufen wir uns nochmals sein durchschnittliches Gehalt pro Minute in Erinnerung – 230.000 US- Dollar, was wiederum rund 390.000 australischen Dollar entspricht. Das entspricht also weiters 3 Minuten Arbeitszeit. Rechnen wir uns das mal bei einem österreichischen Nettolohn von 10/h durch, entspräche das einer Spende von 50 Centähm, das ist nicht mal eine Packung Gummibärchen.

Es möchte ihm niemand absprechen, dass seine Wohltätigkeit etwas Gutes ist, doch wirkt es viel mehr wie eine Ablenkung von den diversen Formen wirtschaftlicher Ausbeutung, die das Unternehmen Amazon sonst so betreibt. Die vermeintliche Nähe zum kleinen Volk steht vollkommen im Widerspruch zu Jeff Bezos unternehmerischen Handeln – „aber ja, er hat es sich ja verdient, denn freie Marktwirtschaft gibt jedem die Möglichkeit, reich zu sein“, werden jetzt vermutlich neuliberale Kräfte dem entgegnen.

Eine kurze Erinnerung an das Verhalten von Amazon

Eine genaue Auflistung der Fehltritte des Unternehmes und Jeff Bezos erpare ich euch. Doch komm ich nicht umher, die eklatantesten Punkte nochmal anzuführen. Gerade wegen des erhöhten Aufkommens von Online- Bestellungen sollte daran erinnert werden, damit nicht der Versandriese von dieser Zeit profitiert - während seine MitarbeiterInnen jetzt umso mehr unter den Arbeitsbedingungen zu leiden haben -, sondern lokale und saubere Unternehmen. 

Man erinnere sich an die Berichte über viele LagerarbeiterInnen, die während der Schicht Windeln tragen mussten, weil sie auf Toilettenpausen verzichten mussten. Andere Berichte wiederum besagen, dass Mitarbeiter für Verletzungen am Arbeitsplatz „bestraft“ werden, obwohl sie in einer unsicheren Umgebung arbeiten, in der eine erhöhte Gefahr gegeben ist. Außerdem sei der regelmäßige Zugang zu sauberem Wasser vielerorts gar nicht gegeben – also bei so grundlegenden Dingen sollte dann ernsthaft der Schlussstrich gezogen werden. Und da reden wir noch nicht einmal von fairer Bezahlung oder angemessenen Arbeitszeiten.

Naja, wenigstens zahlens ordentlich Steuern, oder?

Das Steueraufkommen von Amazon ist bei einem Firmenwert von 1 Billion US- Dollar geradezu lächerlich. Im Jahr 2016 zahlte Amazon in Europa gerade einmal 16,5 Millionen Euro an Steuern eh alles im rechtlich erlaubten Bereich. Auch die in Österreich eingeführte Digitalsteuer ändert nichts für den Versandriesen, denn dieser wälzt die Kosten einfach auf die heimischen Händler ab.

Durch die zahlreichen Schlupflöcher, die Amazon nutzt, senkt das Unternehmen durch Steuergutschriften und ähnliches jährlich weiter sein Steueraufkommen. Durch Bezahlung in Form von Aktien oder Aktienoptionen erhält Amazon so eine erhebliche Steuerbefreiung. Auf diese Art kam Amazon nach einer Untersuchung des "Institute for Taxation and Economic Policy" beispielsweise in den USA auf einen effektiven Steuersatz von Minus einem ProzentLOL, zum Vergleich: die ärmsten 20 Prozent in den USA haben einen effektiven Steuersatz von +1,5 Prozent. 

1585051729 amazon frech

Credits: Washington Post / Illustration by Christopher Ingraham

Warum führen wir euch das gerade jetzt vor Augen?

In Zeiten der Quarantäne und Isolation greifen viele auf den Versandhandel zurück, um weiterhin an Unterhaltung, Bücher und vieles mehr zu kommen. Wichtig wäre es, gerade in dieser Zeit auf lokale Unternehmen zurückzugreifen, die es nicht nur durch die Krise zu erhalten gilt, sondern die im Gesamten auch deutlich mehr Steuern zahlen als der Versandriese und daher einen größeren Beitrag für unsere Wirtschaft leisten. 

Damit ihr nicht selbst nach solchen heimischen Unternehmen suchen müsst, stellen wir euch in den nächsten Tagen eine Liste mit Bestellmöglichkeiten vor. Bis dahin - spart euch Einkäufe bei Amazon.

Titelbild Credits: Jonathan Weiss / Shutterstock

WARDA NETWORK GmbH