Häusliche Gewalt in Zeiten des Coronavirus - was kann man dagegen tun? (c) Titelbild Credits: alexkich / Shuttertstock

Häusliche Gewalt in Zeiten des Coronavirus - was kann man dagegen tun?

Gewalt gegen Frauen passiert. Gewalt, die sich sexuell, physisch oder emotional äußern kann. Wir haben uns neben allgemeinen Daten auch mit einer Frau unterhalten, die einer derartigen Situation ausgesetzt ist, und sagen euch, wie ihr bei häuslicher Gewalt vorgehen solltet.

Daten und Fakten

Die “Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männer” fand 2011 heraus, dass fast 30 Prozent der befragten Frauen bereits sexuelle Gewalt erlebt hatten, 74,2 sexuelle Belästigung. 90,3 Prozent der Täter waren Männer, das ist die Mehrheit.

2017 wurden 817 Vergewaltigungen angezeigt, bei nur 13,1 Prozent kam es zu einer Verurteilung. Es werden auf weniger als sieben Prozent gesetzt, die im Fall einer Vergewaltigung tatsächlich Anzeige erstatten. Somit ist Gewalt gegen Frauen bereits ein generelles Problem, in Zeiten des Coronavirus jedoch eines, bei dem Frauenrechtler nun besonders alarmieren.

Die Geschichte einer Betroffenen von häuslicher Gewalt

Marie* (*Name von der Redaktion geändert) hat sich vor mittlerweile vier Jahren verliebt, so sehr, dass sie alles um sich herum vergessen hatte. Die erste Zeit, in der sie zusammen gewesen sind, war perfekt, so Marie. Ihr Freund hat sie auf einen Podest gestellt und sie dachte, dass sie immer darauf bleiben wird. Aber als er sein Studium abgeschlossen hatte und begann zu arbeiten, änderte sich vieles. 

Er blieb oft abends lange unterwegs und wenn er nach Hause kam, war er betrunken. Die Arbeit machte ihn fertig, die Schuld daran gab er Marie. Oder zumindest wusste er, dass er seinen Frust an irgendjemanden auslassen muss. “Es begann mit Schlägen, die ich anfangs noch wegstecken konnte. Er entschuldigte sich jedes Mal, aber immer erst dann, wenn er wieder nüchtern war. Aber er sobald es wieder Abend war, wiederholte sich alles. Je öfter es passierte, desto schlimmer wurde es.”

Für Marie ist häusliche Gewalt etwas geworden, mit dem sie gelernt hat zu leben. Sie meint, Menschen, die nicht in ihrer Situation sind, wissen nicht, wie sich das anfühlt. Nur hat sie sonst nichts, woran sie sich festhalten kann. Ihr Freund ist der einzige Mensch in ihrem Leben, den sie kennt. Da er all ihre Kontakte abgebrochen hat, kann sich Marie nicht vorstellen, wie es ist, aus der häuslichen Gewalt zu entkommen. “Es ist wirklich schlimm, denn es gibt Tage, an denen ich einfach nicht weiter weiß. Da ist das einzige, was mich noch aufrecht erhält der Gedanke, dass es immer nur abends passiert, da er tagsüber in der Arbeit ist.” Seit dem Coronavirus hat sich das jedoch geändert.

Denn Österreich hat sich, wie viele Länder, dazu entschieden, dem Coronavirus mit Quarantäne entgegen zu wirken. Das sind Maßnahmen, die wichtig sind - aber auch gefährlich. Denn für viele Frauen bedeutet es eine Gefahr, bei der sie das Gefühl haben, nicht entkommen zu können. Noch weniger, als davor.

Die Lage in China

In Wuhan - der Ort, an dem das Coronavirus entstanden ist - meldeten sich unzählige Frauen bei der Aktivistin Guo Jing. Sie erzählen von Ehemänner, die gewalttätig sind, von Vätern, die sich genauso verhalten. All diese verzweifelten Frauen wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen. Denn - fliehen können sie nicht. Immerhin hat das Reiseverboten ihnen die Möglichkeit genommen, aus dem gewaltvollen Haushalt zu kommen. Auch ein Polizeibeamter aus Jingzhou hat berichtet, dass sich seit dem Virus die Zahl der Frauen, die häusliche Gewalt melden, verdoppelt hat. Immerhin wird in China, bereits vor dem Coronavirus, durchschnittlich alle 7,4 Sekunden eine Frau von ihrem Ehemann geschlagen.

Maßnahmenpaket in Österreich gegen häusliche Gewalt

Aufgrund der Einschränkungen - die von der Regierung festgelegt wurden, um dem Coronavirus entgegenzuwirken - fürchten Frauenrechtler und Experten einen Anstieg von häuslicher Gewalt in Österreich. Durch ein Maßnahmenpaket wird somit versucht, dem entgegen zu steuern. Vorgestellt wurde es am Donnerstag von Frauenministerin Susanne Raab und Alma Zadic, Justizministerin. „Quarantäne und häusliche Isolation ist kein rechtsfreier Raum. Die Krise ist kein Freibrief für häusliche Gewalt. Wir gehen mit aller Härte gegen jeden vor, der Frauen und Kinder angreift“, so Susanne Raab in einer Pressekonferenz. 

Außerdem erläuterte Alma Zadic, dass die strafrechtliche Verfolgung der Täter weiterhin gesichert ist, Annäherungsverbote werden weiterhin ausgesprochen, Wegweisungen immer noch vollzogen. Und solche Maßnahmen sind wichtig, denn Marie* nicht der einzige Fall von häuslicher Gewalt, den es in Zeiten von Corona noch heftiger trifft, als bereits davor.

Solltet auch ihr als NachbarInnen mitbekommen, dass in eurem Haus etwas passiert, hört bitte nicht einfach weg. Meldet dies und versucht, dem Ganzen ein Ende zu bereiten.

Frauen, die von Gewalt betroffen sind, steht zu jeder Zeit die Telefonnummer 0800 222 555 mit Expertinnen zur Seite. Eine Onlineberatung ist täglich in der Zeit von 15.00 bis 22.00 Uhr unter Haltdergewalt.at erreichbar. Außerdem gibt es weitere Informationen unter Frauenhelpline.at.

Schon bald könnt ihr bei uns auch eine Kolumne einer Psychiaterin und Psychotherapeutin lesen, die sich unter anderem auch mit diesem Thema auseinandersetzt.

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