Wie wird man eigentlich Waffenhändler (c) Titelbild Credits: Shutterstock

Wie wird man eigentlich Waffenhändler

Du wolltest auch schon immer unmittelbar Einfluss auf das Leben von tausenden Menschen nehmen und dabei eine Unmenge an Geld verdienen? Dein Traum wird wahr, denn eine ganz besondere Jobausschreibung macht es dir nun möglich!

Nicht erst seit dem Film Lord of War ist es cool, Massen an Waffen zu schmuggeln und sich mit dem hart verdienten Geld qualitativ feinstes Kokain zu gönnen. Durch die vielen großen und kleinen Konflikte dieser Welt, die teils künstlich für deine zukünftigen Millionen am Leben gehalten werden, floriert das Geschäft und bringt laufend frische Scheine. Die steigende Nachfrage nach Waffen bringt auch eine erhöhte Nachfrage nach Waffenhändlern mit sich, weshalb die Suche nach ihnen nun auch die Mitte der Gesellschaft erreicht hat. Jetzt kannst auch du endlich Waffenhändler werden.

Waffen als Handelsgut

Das alles ermöglicht dir die RUAG Holding AG. Der Technologiekonzern mit Sitz in Bern wurde mittels Jobausschreibungen in der Schweiz in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. In den öffentlichen Verkehrsmitteln von Bern hingen Plakate mit der Aufschrift: „Reist du gerne? Werde internationale/r Waffenhändler/in“. Reisesucht ist ja sowieso schon die Volkskrankheit auf Tinder; warum damit nicht auch noch Geld verdienen. Bloggen ist out – gunrunning ist in! (Anm. d. Red.: gunrunner, engl. für Waffenschieber) Da bekommt work and travel eine völlig neue Bedeutung. 

- Sarkasmus Ende.

Selbstverständlich handelt es sich hierbei nicht um eine echte Jobausschreibung, sondern um eine Protestaktion. Diese sollte die Aufmerksamkeit auf die nicht unproblematischen Geschäfte des Unternehmens RUAG richten, die unter anderem auch Produkte von Glock vertreibt. "Starte bei uns durch und verändere das Leben von Millionen" - ein Satz des Fake- Plakats, der sehr viel Wahrheit in sich trägt. Denn Waffenkonzerne verdienen nun mal mit dem Leid vieler Menschen ihr Geld. Und in den häufigsten Fällen sind auch Staaten und Versicherungen in diese Geschäfte involviert. 

Pazifismus is the real shit

Immerhin zählt der Tod durch Schusswaffen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Hierbei steht aber nicht nur Krieg zur Debatte, sondern auch der private Gebrauch von Schusswaffen. Denn das Institute for Health Metric und Evaluation an der University of Washington veröffentlichte eine Studie (28. August 2018, Link), die zeigte, dass in den Jahren 1996 bis 2016 im zivilen Bereich mehr Menschen durch Schusswaffen umkamen, als durch militärische Konflikte.

Deshalb feiern wir die Aktion, weil sie genau auf diese Probleme aufmerksam macht. Probleme, die viel zu häufig unter den Tisch gekehrt werden und nur dann Thema sind, wenn wieder einmal ein Irrer eine große Zahl an Menschenleben ausgelöscht hat. Bitte mehr davon!

Titelbild Credits: Shutterstock

WARDA NETWORK GmbH