Warum Satiriker die besseren Politiker sind (c) Titelbild Credits: Nico Garcia

Warum Satiriker die besseren Politiker sind

Dass Politikverdrossenheit heutzutage besonders groß zu sein scheint, spiegelt sich vor allem durch vielerorts schwindende Wahlbeteiligung wieder. Gründe dafür sind meist weniger Vertrauen in Politiker, gebrochene Wahlversprechen oder einfach die “Politik des alten weißen Mannes”. Durch die Tatsache, dass sich daran womöglich so schnell nichts ändern wird, und es “eh schon wurscht is”, gelangen immer mehr Comedians und Satiriker auf den Geschmack Politik zu machen - und werden gewählt.

Wer das eigentlich ist

Im deutschsprachigen Raum ist “die Partei” die wohl bekannteste Satirepartei. 2013 klagten sie gemeinsam mit anderen Kleinparteien die 3% Hürde der Wahlen in Deutschland an und gewannen darauf ein Mandat im Europäischen Parlament, das der ehemalige TV-Komiker Martin Sonneborn bekleidet. Mit Slogans wie “Hier könnte ein Nazi hängen”, oder “für Europa reichts” holte sich “die Partei” sogar noch ein zweites EU-Mandat für Nico Semsrott.

In einigen anderen Ländern finden Satiriker nicht nur zu Mandaten, sondern auch zu hohen öffentlichen Ämtern, wie 2012 ein Komiker Bürgermeister von Reykjavik wurde. Er holte sich seine Stimmen mit Forderungen wie gratis Handtücher in allen Schwimmbädern.Ganz anders sieht es auch z.B. in der Ukraine aus. Dort wurde im Mai 2019 ein Komiker zum Staatspräsidenten gewählt. Und sie leisten alle hervorragende Arbeit.

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Martin Sonneborn - ehemals Titanic, nunmehr Die Partei

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Allein die Tatsache, dass Comedians und Satiriker in solche Ämter gewählt werden, ist schon eine klare Absage an unser etabliertes politisches System. Ob Proteststimmen, oder aus Überzeugung, in keinem Fall sind diese Stimmen verschwendet. Wer dem ganzen noch skeptisch gegenüber gestimmt ist, denkt doch mal über die wunderbaren Stories aus Ibiza rund um unseren Ex-Vizekanzler nach. Durch die Rolle Böhmermanns in der ganzen Affäre, könnte man Comedians sogar zumuten, ganze Regierungen sprengen zu können. Zumindest in kleinen Ländern wie bei uns. Warum sollten sie dann auch nicht selbst Politik machen dürfen.

Also bekommen wir jetzt gratis Handtücher und 2 Samstage pro Woche? Oder wird verhindert, dass eine EU-Weite Norm für Penisformen eingeführt wird? Leider nicht. Vielmehr machen Satiriker auf Missstände aufmerksam und tragen maßgeblich zur Öffentlichkeit von Prozessen bei, die durch unsere klassischen Politiker wahrscheinlich aus gutem Grund gar nicht zur schau getragen werden. Und das auch noch superlustig.

Noch dazu, scheinen sie ihre Wahlversprechen sogar ernsthaft zu verfolgen und einzuhalten. So hat der Abgeordnete und selbsternannter Demotivationstrainer Semsrott, versprochen auszutesten, ob er sich durch zahlreiche Lobby-Events durchessen kann. Schon im ersten Halbjahr seiner neuen Arbeit hat er dieses Versprechen einhalten können.

Aber oft wird eben auch einfach nur die (un-)lustige Wahrheit angesprochen. Etwa Korruptionsaffären von designierten Kommissaren, oder ganz offensichtliche finanzielle Interessenskonflikte der indirekt “gewählten” Kommissionspräsidentin van der Leyen. Lasst sie doch gleich wie Fußballer ihre Sponsoren zur schau stellen.

Wir sehen, etwas Satire in der sonst so verschleierten und “ernsthaften” Politik kann in jedem Fall nur gut tun. Sei es einfach nur um darauf aufmerksam zu machen, welche Missstände herrschen und um für mehr Öffentlichkeit zu sorgen. Eigentlich ist das sogar sehr wichtig, wenn man bedenkt, dass sie Reichweiten besitzen, an die sonst fast nur Populisten rankommen. Zum Glück ist sowas in Europa, noch, möglich.

Und zum Schluss noch ein lustiges und aufschlussreiches Video:

Titelbild Credits: Nico Garcia

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