Dschungelcamp - vielleicht hat Dummheit auch mal was Gutes (c) Titelbild Credits: Shutterstock

Dschungelcamp - vielleicht hat Dummheit auch mal was Gutes

Das RTL TV Format Dschungelcamp dreht ab heute seine nächste Runde in Australien, während dort verheerende Buschbrände und die Debatte um das Klima das Land beherrschen. Zwischen Aufmerksamkeit für das falsche Thema und der generellen Idiotie einer Sendung zeigt uns Dschungelcamp, wie es um Teile der Gesellschaft steht. Aber vielleicht hat es auch etwas Gutes.

Zwölf Kandidaten, wovon mir persönlich nur einer namentlich bekannt ist, kämpfen zum 14. Mal um den Titel „DschungelkönigIn“ – so als würden sich Hollywoodstars um die goldene Himbeere streiten (Anm. d. Red.: ein Negativ- Filmpreis). Selbst habe ich mir noch nie eine ganze Folge angesehen, weil ich den Unterhaltungswert darin nicht finde. 

Zwar ist das Dschungelcamp mit einem Marktanteil von über 20 Prozent im letzten Jahr rückläufig, aber die absoluten Zuschauerzahlen von über 5 Millionen sprechen dennoch für sich.

Volksverblödung auf RTL

Der Sender ist generell nicht dafür bekannt, qualitativ hochwertiges Programm zu senden. Sogar der Skandal um „Schwiegertochter gesucht“ – besser bekannt als Vera Fake-, der durch Jan Böhmermann ausgelöst wurde, konnte mich nicht wirklich schockieren – was will man auch erwarten. Aber zwölf Z- Promis in ein Camp zu schmeißen und ihnen Kakerlaken zum Fraß vorzuwerfen, gleicht für mich einem drittklassigen Abklatsch von Big Brother und „The Crocodile Hunter“ – die dramatisch schmerzverzerrten Gesichter gepaart mit der Hintergrundmusik lassen für mich diesen Vergleich zu.

Was mir auch noch nicht so ganz eingeht, ist der Leitsatz dieser Sendung – „Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“ Ich suche nach den Stars und finde keine. Sogar die Moderatorin Sonja Zietlow sagt mir nur etwas, weil sie in der Comedy Sendung Switch regelmäßig aufs Korn genommen wurde. Aber ja – an den Stars soll es nicht scheitern. Auch wenn George Clooney und Angelina Jolie sich im Gefecht des Zickenkrieges Känguru- Hoden einverleiben würden, wäre es für mich nicht unterhaltsamer.

Wenn es nicht nur im Dschungelcamp heiß hergeht

Die aktuellen Buschbrände in Australien lassen aber die gesamte Sendung noch einmal in einem ganz anderen Licht erstrahlen. Für mich persönlich ist es äußerst pietätlos, beim Lagefeuer in Australien kleine Tierchen zu essen, während nebenan tausende Tier- und Pflanzenleben vom Feuer ausgelöscht werden. Okay – angeblich soll dieses Jahr nur Gas zum Feuer machen verwendet werden. Ich gratuliere RTL zu diesem Meinungsschwenk - Klatsch. 

Mit Günther Krause nimmt dieses Jahr sogar ein recht bekannter, ehemaliger Politiker beim Dschungelcamp teil. Dass er in ein paar Affären verwickelt war und sich eine rechtskräftigte Verurteilung einfing, dürfte ihm auch für das RTL Programm die nötige Aufmerksamkeit verschafft haben. Laut Berichten der Abendzeitung München (Gagen der Promis im Dschungelcamp 2020: Kandidaten kassieren gut ab, 09.01.2020) bekommen die Teilnehmer eine Gage um die 100.000 Euro - abartig. Das ist bei 12 Teilnehmern eine beträchtliche Summe, die gut und gern auch als Spende große Wirkung erzielen könnte. 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Als unbeugsamer Optimist steckt für mich aber auch in diesem Wahnsinn ein kleines Stückchen Hoffnung. Mit der Reichweite von Dschungelcamp könnte ein brandaktuelles Thema von der Mitte der Gesellschaft auch in die Tiefen der volksverblödeten Unterhaltungssendungen dringen. Wahrscheinlich aber – das ist nur eine Vermutung meinerseits – sitzen die hohen Herren des TVs in ihren Kämmerchen und freuen sich über die Aufmerksamkeit, die für die Sendung durch die Buschbrände generiert wird. Auch ich springe offensichtlich auf diesen Zug auf.

Letztlich wird deutlich, welche Prioritäten im Fernsehen heutzutage gesetzt werden. Wer weiß – vielleicht macht Dschungelcamp das wider meine Erwartungen doch zum Thema. In mir bleibt der Funke Hoffnung, dass sich dadurch zumindest ein paar Leute Gedanken darüber machen, welche Fernsehsendungen sie konsumieren und - noch viel wichtiger – welchen Einfluss wir als Menschen auf unsere Umwelt haben.

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