Warum wir mit 20 keine Ahnung haben, wer wir sind (c) Titelbild Credits: Shutterstock

Warum wir mit 20 keine Ahnung haben, wer wir sind

Jedes Jahrzehnt unseres Lebens hat seine ganz individuellen Herausforderungen. Die Teenie- Jahre sind geprägt vom ersten Herzschmerz und Pickel im Gesicht, die 30er vom Konflikt zwischen Selbstverwirklichung und Sesshaftigkeit durch Familiengründung. Aber auch die 20er haben so ihre Herausforderungen: Unsere Redakteurin spannt für euch ihren ganz persönlichen Bogen über den Beginn eines persönlichen neuen Jahrzehnts.

Im Kindergarten wollte ich Superstar werden (Starmania sei Dank!), in der Volkschule schwankte ich zwischen Tierärztin und Kindergärtnerin und in der gesamten Oberstufe stammelte ich etwas von „irgendwas mit Medien“. Meine Berufswünsche waren ungefähr so gefestigt wie mein Vorsatz als Kind, niemals mit dem Rauchen zu beginnen, nämlich gar nicht. Die verrücktesten Berufswünsche habe ich mir einfallen lassen. Vor allem Dinge die weder zu mir als Person passen, noch die ich real wirklich auch nur im Ansatz machen möchte. Aber das Gute war, dass es egal war, denn die Entscheidung lag ja noch Jahre vor mir. Bis jetzt.

Die knallharte Realität

Jetzt bin ich zwanzig, studiere etwas im zweiten Semester, das mir eigentlich keinen Spaß macht und auf die Frage, was ich denn später machen möchte, bete ich wieder mein „irgendwas mit Medien“- Mantra und hoffe auf keine genaueren Fragen. Ich stehe am Anfang und weiß nicht wohin mit mir, aber wenigstens bin ich nicht alleine damit. Der Großteil meiner studierenden Freunde „gurken“ genauso auf der Uni herum, machen ihre Prüfungen mehr oder weniger und haben im Endeffekt auch keinen festen Plan oder ein richtiges Ziel vor Augen. Pläne werden umgeworfen, Studienrichtungen gewechselt und vor allem die Meinung immer wieder geändert.

Nichts ist in Stein gemeißelt. Nichts ist fix.

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Der Luxus seine Meinung ändern zu können muss an dieser Stelle auch wertgeschätzt werden. Die Möglichkeit zu haben, sich auszuprobieren und die Chance zu haben etwas finden zu können, das einen beruflich gesehen vielleicht sogar wirklich glücklich macht und einen erfüllt. So schön dieser Luxus auch ist, so sehr stresst er einen aber auch. Alle Möglichkeiten offen zu haben ist manchmal schwieriger als gar keine, schließlich können wir ja alles sein. Aber rauszufinden was man sein möchte - sogar nur jobmäßig - fühlt sich manchmal wie die Suche nach Atlantis an - recht aussichtslos. Möglichkeiten, Träume und Chancen werden abgewogen. Abstriche werden gemacht. 

Die Sache mit den Kompromissen

Den Traum vom Japanologiestudium über den Haufen geworfen, schließlich will man ja nicht als Taxifahrer enden. Ein BWL-Studium muss her, denn das Ziel von Haus, Hund und Kind darf ja nicht sterben. Man möchte dann doch nicht sein ganzes Leben lang in einem kleinen WG- Zimmer mit dem komischen Mitbewohner, der einem immer das Essen aus dem Kühlschrank isst, verbringen. Und natürlich gibt es auch noch die Eltern, die einen jahrelang finanziert haben und die man nicht enttäuschen möchte. Entscheidungen wohin das Auge reicht und ein Kompromiss an jeder Ecke.

Obwohl ich mit zwanzig wirklich verdammt jung bin und ich real keinen Grund habe zu jammern - ich tu es an dieser Stelle trotzdem -, so überfordert mich das Erwachsen Sein jetzt schon ziemlich und es fühlt sich an als würde mir die Zeit durch die Finger laufen. Ich beginne mich jetzt schon von Träumen zu verabschieden, wie zum Beispiel von dem des Superstar Daseins, und beginne Dinge abzuwiegen und versuche verzweifelt Entscheidungen zu treffen, die nicht hirnverbrannt und wahnwitzig sind. Es gestaltet sich schwieriger als gedacht, da ich noch nicht mal die Richtung kenne, in die es gehen soll. Meine Ideen reichen von Schriftstellerin und Marketingmangerin bis zur Yoga Lehrerin in Bali, Autorin eines veganen Kochbuches und - meinem heimlichen Favoriten - Carrie Bradshaw aus Ottakring. Eine Idee irrsinniger als die andere.

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Die Zwanziger lassen einem noch ein bisschen Zeit

Aber muss der zukünftige Job nicht glücklich machen und - vor allem - sind wir nicht verdammt nochmal zu jung, um uns schon in unseren Zwanzigern von unseren Träumen und Hoffnungen zu verabschieden? Sind nicht genau dafür die Twenties da? Warum sollten wir uns beruflich festlegen, wenn wir es sonst auch nirgends können. Mit zwanzig darf man noch träumen. Sorgen dürfen dann in den Dreißigern mehr an Präsenz gewinnen - oder so ähnlich versuche ich meine innere Stimme zu beruhigen. So sehr der Gedanke meiner Zukunft mich auch stresst und mich manchmal in richtige Angstzustände versetzt, so befreit er auch. Schließlich habe ich - auch wenn sie schnell vergeht - zumindest noch ein wenig Zeit. Ich muss noch nichts aufgeben, alle Türen stehen offen. Noch habe ich keinen „nine to five“- Job, den ich hasse und einen Chef, der mir jeden Tag meines Lebens zu meiner eigenen persönlichen Hölle macht. Noch führe ich kein Leben, das ich eigentlich gar nicht führen möchte. Es ist noch genug Zeit.

Vielleicht sollten wir uns #twentysomethings auch gar nicht so stressen und anstatt unserer Zukunft zu fürchten, es einfach mal wirklich genießen zwanzig zu sein. Und dumme Fehler werden wir sowieso machen und wahrscheinlich sogar öfter als nur einmal. Immer wieder werden wir auf die Nase fallen. Wir werden Entscheidungen treffen, nur um uns dann wieder anders zu entscheiden. Und irgendwann werden wir auf diese angeblich „beste Zeit unseres Lebens“ zurückblicken und werden sehen, dass doch alles irgendwie seinen Lauf genommen hat, zumindest hoffe ich das sehr inständig. Schließlich wollen wir doch nicht in unsere Dreißiger starten mit Sorgenfalten aus unseren Zwanzigern.

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