Van der Bellen sieht sich als Helden der Jungen (c)

Van der Bellen sieht sich als Helden der Jungen

Ich habe Herrn Van der Bellen auf der Mariahilferstraße getroffen und ihn zu einem Interview gebeten, bei dem ich ihm keine typischen ORF-Fragen stellte.

Ich fang direkt skeptisch an. Ich bin unschlüssig wen ich wählen soll und wozu eigentlich. Was bringt mir das Amt des Bundespräsidenten? Können Sie mich da überzeugen?
Das ist sicherlich die falsche Frage, denn für Sie persönlich werde ich wohl nichts anrichten. Der Präsident macht im Grunde das, was der Bundeskanzler nicht alleine machen kann. Er bereist natürlich auch die Welt und gibt dem Land auch ein gewisses Image. Wenn Sie jetzt sagen, Sie sind skeptisch wen Sie wählen würden, dann kann ich nur soviel sagen: Eine Frau im Amt des Bundespräsidenten würde mich auf keinen Fall stören.

Denken Sie wäre es an der Zeit dafür, dass eine Frau in Österreich an der Spitze steht?
Wieso nicht? Wir sind im 21. Jahrhundert. Nur kann ich nichts dafür, dass ich keine Frau bin (lacht).

Verstehen Sie auch die Leute, die sagen, Sie greifen in die Demokratie ein, wenn Sie Herrn Strache bzw. die FPÖ im vorhinein ablehnen?
Nein, das verstehe ich nicht. Es gehört nämlich zur Aufgabe des Bundespräsidenten, die Regierung anzugeloben. Und wenn ich der Meinung bin, dass das Programm der FPÖ dem Land schadet, dann kann ich die FPÖ nicht regieren lassen. Das hat auch nichts mit meiner Sympathie dem Herrn Strache gegenüber zu tun.

Also mit einem guten Programm würden Sie auch die FPÖ ranlassen?
Ja natürlich, aber genau das ist das Problem bei der FPÖ. Wollen Sie, dass wir Österreich einzäunen?

Auch wenn die FPÖ stimmenstärkste Partei wird, lehnen Sie sie also ab?
Ich bin mir sicher, dass keine Partei die Mehrheit bei der nächsten Nationalratswahl bekommen wird. Ich lade die FPÖ zu Gesprächen ein, wenn es soweit ist, aber so wie es zurzeit ist, lasse ich die FPÖ nicht regieren.

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Werden Sie gewinnen?
(Lacht) Es sieht nicht schlecht aus. Ich bin bestimmt mit einer Außenseiterrolle gestartet, aber wenn man über 4 Monate hinweg bei jeder Umfrage auf Platz 1 ist, dann treibt einen das an. Aber sicher kann man sich nie sein.

Haben Sie Angst, dass es am Wahlsonntag der komplette Reinfall wird und sie ganz hinten landen?
Natürlich! Aber die Angst hat wohl jeder Kandidat.

Was halten Sie von so einer Clubtour, wie sie Herr Strache hin und wieder macht?
Das soll seine Sache bleiben. Ich glaube auch, dass ich ohne so einer Tour bei den Jungen gut punkten kann. Ich bin überzeugt davon, dass wenn nur Leute bis 30 wählen gehen dürften, dann würde ich locker mit einer eindeutigen Mehrheit in das Amt des Bundespräsidenten durchmarschieren.

Sie sind aber zurzeit nicht so "frech" wie in Ihrer damaligen Position bei den Grünen. Wieso das?
Ich denke, dass das Amt des Bundespräsidenten ein wenig was anderes ist. Man muss hier schon gemäßigter an die Sache herangehen. Es bringt nichts, wenn ich beim Wahlkampf fetzig bin und dann im Juli den Alten spiel, der sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.

Abschließende Frage zum Herrn Lugner: Wie stehen Sie dazu, dass der ORF ihn nicht zu den Diskussionsrunden einlädt?
Finde ich nicht korrekt. Der Herr Lugner hat die 6000 Stimmen erreicht und deshalb muss er auch wie jeder andere Kandidat behandelt werden. Das ist wirklich nicht fair und ich verstehe es auch nicht. 

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