Reden ist Silber, Schweigen ist Gold: Ignoriert Regierung das Clubsterben? (c)

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold: Ignoriert Regierung das Clubsterben?

„Es ist für Clubs keinerlei Öffnung in Sicht. Es hat kurz einmal danach ausgesehen, aber die Boxen sind still“, bringt es Stefan Niederwieser von der Vienna Club Commission auf ihrer Pressekonferenz am 28.07. auf den Punkt. Neben ihm sitzen einige VertrerInnen aus der Nachtgastronomie und der Veranstaltungsbranche, um ihre Sicht der aktuellen Situation zu schildern - ein trauriger Rückblick und düstere Aussichten.

Ein Gedanke drängt sich nach der Pressekonferenz erneut auf – eine gesamte Branche wird in der Krise beinahe vollkommen links liegen gelassen. Denn offensichtlich ist, dass der Regierung seitens Clubs und VeranstalterInnen bereits genügend Informationen und Vorschläge vorgelegt wurden, der misslichen Lage und vor allem einem langfristigen Clubsterben entgegenzuwirken - stets ohne wirklichen Erfolg.

„Prinzipiell wurden uns da seitens der Politik schon positive Signale gesendet, nur sie wurden bisher noch nicht umgesetzt. Wir sitzen immer noch im luftleeren Raum.“, schildert SASS-Geschäftsführer Gregor Imhof.

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v. l. n. r. vorne: Gregor Imhof (SASS), Linda Schürer-Waldhei (Arcadia Live), Stefan Niederwieser (Vienna Club Commission)
hinten: Martin Wagner (Fluc)

Auf meine Frage, ob sich bei den konkreteren und gut ausgearbeitet Konzepten, die durchaus auch medial Anklang fanden, etwas getan habe, reagierte er: „Wir haben nach erneuten Gesprächen darüber dann nichts mehr seitens der Regierung gehört.“ Und das, obwohl mit Anfang August den – wie der SASS-Geschäftsführer sagt, „minimalsten“ – Forderungen seitens der Clubbesitzer und Veranstalter nachgegeben werden soll. Die klassische Ankündigungspolitik von Kurz und Kogler scheint hier noch stärker zum Tragen zu kommen als sonst wo. Viel Luft, nichts dahinter. Es wirkt, als würde ganz bewusst die Branche hingehalten werden.

Die Vienna Club Commision zeigt auf der Pressekonferenz das Ausmaß des Schadens mit einer Aufstellung der Kosten für Clubs und deren Erhaltung. Klar ist, dass das Auslassen baldigen Handelns unweigerlich zum Tod großer Teile der Nachtwirtschaft führt. 

Stefan Stürzer vom Werk plädiert für mehr Experimente: „Der Weg entsteht ja bekanntlich beim Gehen. Wir brauchen auch mehr Mut.“ Denn die Situation ist für niemanden wirklich berechenbar und immerhin gibt die Regierung auch dem Reisegeschäft und vielen anderen Branchen vorerst grünes Licht - wie die "Switch!"-Veranstalterin Katja Pandora anführt - ohne die exakt genaue Auswirkungen dessen zu kennen. Hier hat das Verhindern potentiell wirtschaftlicher Schäden höhere Priorität, als das radikale Eindämmen der Krankheit und dessen Ausbreitung. 

Die Zusammenarbeit mit der Regierung geht scheinbar nur sehr stockend voran. Wirkliche Lösungen gibt es nicht und brauchbare Vorschläge kommen maßgeblich von der Branche selbst, die immerhin insgesamt 24.000 Beschäftigte und einem Jahresumsatz von 1 Milliarde zählt. Übergangslösungen wären möglich, doch dafür bräuchte es auch eine fruchtbarere Zusammenarbeit mit der Regierung – an der Nachtwirtschaft scheitert es jedenfalls nicht.

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Häufig vergessene Kosten für BetreiberInnen

„Wenn man den Versuch startet, in Betrieb zu gehen, hat man als Clubbetreiber dann wieder Angst, dass man bei Fixkostenzuschüssen und weiteren Hilfen nicht berücksichtigt wird.“, schildert Gregor Imhof die schwierige Situation. Nicht aufsperren geht nicht, Öffnung der Lokale aber auch nicht wirklich – ein unweigerliches Minusgeschäft, weshalb seitens der Vienna Club Commission vorerst auch einmal eine volle Übernahme der Fixkosten gefordert wird.

Auf die Frage einer Kollegin vom STANDARD, wie man sich fühle, wenn aktuell seitens der Stadt so viel Geld für diverse Veranstaltungen wie Kultursommer oder Donausinselfest ausgegeben werden, statt damit womöglich der Clublandschaft unter die Arme zu greifen, geht Martin Wagner vom Fluc genauer ein: „Grundsätzlich finde ich es gut, dass KünstlerInnen und MusikerInnen hier die Möglichkeit haben aufzutreten. (…) Wenn wir in Zukunft in solchen Prozessen eingebunden werden würden, bei Dingen wie Wiener Festwochen, Popfest und Kultursommer, würde langfristig auch dem Sterben dieser Räume (Anm. d. Red: Kulturstätten der Nachtgastronomie) entgegengetreten werden.“

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v. l. n. r. vorne: Linda Schürer-Waldheim (Arcadia Live), Stefan Niederwieser (Vienna Club Commission), Katja Panora (Veranstalterin, Switch!)
v. l. n. r. hinten: Martin Wagner (Fluc), Sandra Kendl (Veranstalterin, Techno Cafe)

Durch das Ausschließen der Clubs, die bereits eine umfassende Infrastruktur für solche Events besitzen, was somit zu einer Kostenreduktion dieser erwähnten Veranstaltungen führen würde, verhärtet sich der Eindruck, dass es zum Teil ganz bewusste Entscheidungen sind, die seitens der Regierung – in diesem Fall der Wiener Stadtregierung – getroffen werden. Denn auch diese Vorschläge wurden bereits angesprochen und vorgelegt.

Abschließend lässt sich festhalten. Wir sind um kein Stück klüger als zuvor, aber mediale Präsenz dieses Themas ist weiterhin wichtig. Denn: "The struggle is real" und das bereits seit März. Nachtkultur ist ein Kulturraum, der gerade für eine lebendige Stadt wie Wien und deren BewohnerInnen unerlässlich ist.

Weitere Informationen zu Zahlen und Fakten findet ihr hier auf www.viennaclubcommission.at

Auf dem Podium der Pressekonferenz waren
Katja Pandora – Veranstalterin, Switch!
Linda Schürer-Waldheim – Arcadia Live
Sandra Kendl – Veranstalterin, Techno Cafe
Gregor Imhof - SASS Music Club
Stefan Stürzer - Das Werk
Martin Wagner - fluc

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