10 Jahre Loveparade-Unglück: Keine Urteile und tiefe Wunden (c) unsplash.com

10 Jahre Loveparade-Unglück: Keine Urteile und tiefe Wunden

24. Juli. 2010, Duisburg. Es sollte ein Tag zur Feier der Liebe und des Friedens werden, doch kostete 21 Menschen das Leben und veränderte für viele alles. Was genau geschah damals bei der Loveparade?

DAS UNGLÜCK DER LOVEPARADE 2010

In den meisten Fällen wird von Massenpanik im Kontext mit dem Loveparade Unglück gesprochen. Wegen der unübersichtlichen Situation war lange Zeit nicht wirklich klar, was geschehen war. Was bekannt ist: Die große Party endete in einer Katastrophe.

Zentrum des Geschehens war die Karl-Lehr-Straße. Es handelt sich hier um eine Straße mit mehreren Tunneln. Zwischen zwei der Tunneln befand sich eine Rampe, welche dafür gedacht war, die Besucher über die Straße zum und vom Loveparade-Gelände zu führen. Zwischen 17 und 18 Uhr, also im Zeitraum des Unglücks, war der Ansturm der Besucher an seinem Höhepunkt. 

CHRONIK DER FUNKSPRÜCHE AM 24.07.2010 (Quelle: ntv.de)

9.54 Uhr: "Das ist interessant für den Notfallplan, also innerhalb des Tunnels ist keine Verbindung möglich."

11.31 Uhr: "Zugang zum Gelände verschiebt, äh, verzögert sich noch. 11 Uhr sollte Zugangszeit sein, offensichtlich gibt's da noch Probleme auf dem Gelände, wann jetzt endlich Zugang sein wird, ist noch nicht bekannt."

12.52 Uhr: "Die Einlässe werden derzeit vom Ordnungsdienst geschlossen, weil der Andrang auf der Rampe zurzeit zu groß ist."

13.49 Uhr: "Wir haben hier erheblichen Druck, die sollen alle Schleusen öffnen und nicht mehr kontrollieren."

14.47 Uhr: "Die müssen sich einen anderen Rettungsweg ausdenken. Eine hilflose Person, unregelmäßiger Puls. Wir müssen hier den Druck rausnehmen, damit wieder der Kreuzungsbereich leerlaufen kann."

15.58 Uhr: "An der Sperrstelle Ost knallt es gleich, wenn die Polizei nicht eingreift."

16.01 Uhr: "Wir brauchen jetzt unbedingt Sanitäter. Im vorderen Bereich muss unbedingt geöffnet werden, dass der Druck aus dem Kessel, aus dem Trichter abfließen kann."

16.35 Uhr: "Im Tunnel zur Rampe kommt es zu lebensbedrohlichen Situationen auf Grund des Drucks. Die Menschen werden an die Mauer gedrückt."

17.01 Uhr: "Wir haben hier eine tote Person, vielleicht auch zwei."

Einer der letzten dokumentierten Funksprüche erfolgt um 17.48 Uhr:

"Es muss da aussehen wie auf dem Schlachtfeld. Wann wird hier endlich die Musik ausgemacht?"

Bei der Loveparade handelte sich um ein Bewegungsmodell, welches niemals hätte abgesegnet werden dürfen. Weiters gab es zwar gute Notfallpläne, doch die Umsetzung scheiterte aufgrund von mangelnder Professionalität der verantwortlichen Personen.

Während die Menschen immer mehr in Panik gerieten, saß der „Crowd Manager“ des Veranstalters mit einem Polizeibeamten in einem fensterlosen weißen Container, der direkt an der Rampe stand. Sie hatten eigentlich die Aufgabe vor Ort über Funk die Einsatzkräfte so zu koordinieren, dass diese die Besucherströme sicher durch die Tunnel über die Rampe lenken konnten. Einige Besucher kletterten aus Panik auf den Container beim Versuch am Leben zu bleiben.

GERINGE SCHULD – KEIN URTEIL

Am 24.Juli. 2010 kamen 21 Menschen ums Leben, mindestens 652 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Anklage, die gegen die Veranstalter gebracht wurde, lautete auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung. Der Prozess gegen die verantwortlichen Personen wurde dieses Jahr, also zehn Jahre nach dem Unglück, eingestellt. Ergebnislos. Geringe Schuld wird den drei Angeklagten zugeschrieben. 

Zweieinhalb Jahre und etwa 184 Sitzungstage endeten ohne Urteil. Die Verfahren gegen sechs weitere Mitarbeiter der Stadt Duisburg und einen weiteren "Lopavent"–Mitarbeiter wurden bereits letztes Jahr eingestellt. Auch sie kamen ohne Auflagen davon. 

DAS LEBEN DANACH

Die Katastrophe, die sich damals bei der Loveparade ereignete, hinterließ bei den Überlebenden Spuren. Der Selbsthilfeverein LoPa-2010 gab im Juli 2014 an, dass mindestens sechs Überlebende der Katastrophe Suizid begangen haben, aufgrund der andauernden seelischen Belastung. 

Viele der damals Betroffenen leiden auch heute noch an Angstzuständen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Ein Großteil der Überlebenden berichtet von enormen Schuldgefühlen, die sie seit dem Vorfall plagen, weil sie nicht in der Lage waren, ihren Mitmenschen zu helfen und ihnen beim Sterben zusehen mussten. Viele lässt die Hilflosigkeit von damals und das Gefühl alleine gelassen worden zu sein auch zehn Jahre nach dem Vorfall nicht los. 

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