Lockerungen für Nachtgastro oder nur ein langsamer Tod für Clubbetreiber? (c) Titelbild Credits: Unsplash

Lockerungen für Nachtgastro oder nur ein langsamer Tod für Clubbetreiber?

Von unklaren Regelungen, undurchsichtigen Verboten und teils eher willkürlich wirkenden Beschränkungen durchzogene Monate liegen hinter uns und auf das „Was, Wo, warum und Wieso“ hat mittlerweile keiner mehr so richtig eine Antwort parat.

Die neuen, am 24. Juni beschlossenen Regelungen im öffentlichen Sektor fallen zwar zum gewissen Teil zugunsten der Gastronomie aus, lassen jedoch - quelle surprise - einige Fragen offen.

Der präsenteste Punkt von allen ist dabei eindeutig: Wirkt es nur so oder schert sich wirklich niemand um den Nachtgastronomiesektor?

Sperrstund‘ is“ – der neben „Wir haben leider kein großes Bier“ wohl unbeliebteste Satz bei den Österreichern, wird in Zukunft nicht weiterhin um kindliche 1 Uhr nachts zu hören sein, sondern ist hinfällig, vorausgesetzt es geht um eine geschlossene Veranstaltung mit einer festgesetzten Gästeliste. In öffentlich zugänglichen Lokalitäten bleibt die Sperrstunde bestehen, jedoch ist mit 1. Juli der Thekenkonsum und Ausschank erlaubt und auch die Maskenpflicht für die Gastronomieangestellten fällt

Konkret heißt das zwar, dass du dir vom Willi in deinem Stammbeisl das Bier nicht nur an der Theke holen kannst, sondern es auch im Stehen konsumieren darfst, während du bei den nächsten fünf Nachfolgenden versumperst, die durchzechte Clubnacht jedoch weiterhin ausfällt.

Die neue Normalität ist nicht für alle „Normal“

Die angepriesene "neuen Normalität“ mag ein netter Gedanke sein, ist jedoch für viele Branchen mit der rosigen Idee des nicht existenten "American Dreams" gleichzusetzen, zumindest in punkto Realisierbarkeit. Denn zu dieser lässt es sich auch um einiges leichter finden, wenn man von Papa Staat subventioniert oder zumindest die jeweilige Branche aktiv gefördert wird.

Sind für die meisten Gastronomie Betriebe die neuen Lockerungen und Regelungen für Veranstaltungen eine große Erleichterung in verschiedenster Hinsicht, so profitieren Nachtgastronome rein gar nicht von diesen. Für viele Betriebe ist die Sperrstunde bis 1 Uhr in einer gewissen Art und Weise ein Witz und alles andere als rentabel, denn diese haben beispielsweise eine Betriebsgenehmigung beginnend mit 22:00.

Auch wenn die Massenparties am Donaukanal und Afterhours an der Tankstelle am Schwedenplatz zu Beginn noch sehr zum Schmunzeln angeregt und mit den ersten Post-Lockdown Anflügen von Freiheit für Begeisterung gesorgt haben, so ist der Gedanke daran mittlerweile eher müßig, genauso wie das durchquälen durch Menschenmassen am Donaukanal, wo der Sicherheitsabstand wohl offensichtlich nicht gegeben ist. Verboten ist das nicht, aber in den Club zu gehen schon?

Der verzweifelte Aufschrei und Danke für Nichts

Trotz proaktivem Agieren seitens der Nachtgastronomie und lauten Stimmen über den Unmut können ab 1. Juli Veranstaltungen mit bis zu 100 Leuten ohne fix zugewiesenen Sitzplatz stattfinden, ab 1. August dann mit 200 Besuchern. Wie viel Sinn es für Clubbetreiber macht aufzusperren, vor allem mit größeren Lokalitäten, höheren Fixkosten und durch die niedrige zugelassene Besucherzahl entstehenden Leerlaufzeiten, ist dabei jedoch die andere Frage. Danke für Nichts an dieser Stelle. Dabei wurde auch seitens der Clubbetreiber ein mehr als konstruktiver und durchaus umsetzbarer Vorschlag gemacht - scheinbar erstmal noch mit mäßig Erfolg.

Zwar könnten Veranstaltungen, unter dem Deckmantel einer Hochzeit und Co. die Beschränkungen einer Sperrstunde umgehen, diese müssten aber 72 Stunden zuvor gesondert angemeldet werden. Solch eine doch eher saloppe Gesetzesauslegung á la „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ ist jedoch nicht im Sinne der meisten Nachtgastronomen. 

Diese fordern einstimmig eine entsprechende Lösung und sind auch bereit, Maßnahmen wie selbst gestellte „Corona Beauftragte“, Hygienekonzepte oder die Aufnahme von Daten wie einer Mailadresse am Eingang, durchzusetzen. Gerade das Einholen von Daten zur Identifikation von potenziellen Clustern ist eine bereits praktizierte Maßnahme - beispielsweise in Deutschland - und auf offiziell „legalen“ Tankestellenparties mit Sicherheit nicht anwendbar.

Fuck Logic?

Auch wenn bis Ende dieser Woche Schritt für Schritt die Klärung der weiteren Vorgehensweise seitens der Bundesregierung erfolgen soll, so sind einige Andere bis dato getroffene Vorkehrungen unschlüssig, milde gesagt. Den vermutlich größten „Fuck logic“ Moment verursachte neulich die Öffnung von Puffs und Bordellen

In Zeiten von Corona, in denen man eher ohne Handy aus dem Haus geht als ohne Mundschutz und auch der größte Menschenliebhaber gern einen Bogen um den entgegenkommenden Passanten macht, ist der Besuch im Puff wohl eine jener Freizeitaktivitäten, mit eher weniger wertvollem kulturellen Gut und Priorität für die Allgemeinheit, so möchte man meinen. Immerhin kriegt in diesem Kontext „Safe Sex“ eine neue, fast schon absurde Bedeutung!

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