Digitalisierung des Schulunterrichts: Brauchen wir überhaupt noch Lehrer? (c) unsplash.com

Digitalisierung des Schulunterrichts: Brauchen wir überhaupt noch Lehrer?

Unter Digitalisierung versteht man die Umwandlung von analogen und manuellen Abläufen und Inhalten in digitale Prozesse. Bezieht man das auf den Schulunterricht, so heißt das, dass der Unterricht mithilfe von digitalen Medien ablaufen soll. Doch inwieweit ist das eine gute Idee? Können Tablets und Smartphones, die eigentlich als Störenfriede im Unterricht gelten, wirklich eine Bereicherung sein?

Das Schulsystem wandelt sich langsam und immer mehr Schulen greifen auf Smart Devices zurück. Schulklassen werden mit Tablets und Laptops ausgestattet. Diese Veränderungen machen vielen Menschen Angst. Die Digitalisierung hat ohnehin schon einen schlechten Ruf. Menschen werden zu "Smombies". Viele Lehrer, die älteren Generationen angehören, wehren sich vehement gegen die Digitalisierung der Klassenzimmer. Sie haben Angst, weil sie in den meisten Fällen ihren Schülern in diesem Gebiet unterlegen sind.

Die Kluft zwischen dem Know How der Generationen nimmt stetig zu. Immerhin sind die heutigen Schüler allesamt sogenannte Digital Natives und aufgewachsen mit der Technologie - im Gegensatz zu den meisten Lehrkräften, die sich noch in dieser neuen Welt zurechtfinden müssen. Lehrkräfte haben Angst vor diesem Neuland, weil sie sich alles - sozusagen die gesamte digitale Welt - erst einmal selbst erarbeiten müssen.

Doch ist dieser schlechte Ruf der Digitalisierung wirklich gerechtfertigt?

Es ist eine Tatsache, dass die Einarbeitung in den Umgang mit digitalen Medien viel Zeit erfordert. Die meisten Lehrer sind technisch nicht versiert genug. Es reicht nicht, einfach die Schulen mit modernen Technologien auszustatten, die Lehrenden müssen mit den Hilfsmitteln richtig umgehen können. Ein Hilfsmittel, welches man nicht richtig anwenden kann, ist praktisch nutzlos. Es sind Schulungen notwendig, um das Lehrpersonal auf den neuesten Stand zu bringen und einzuarbeiten. 

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VOM FRONTALUNTERRICHT ZUM INDIVIDUALISIERTEN LERNERLEBNIS

Auf der anderen Seite könnte mithilfe digitaler Medien der Lehrplan viel mehr an die Lebensrealität der Schüler angelehnt werden. Immerhin ist das Internet aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Verwendung von technischen Hilfsmitteln könnte zu einer Modernisierung des oftmals veralteten Schulsystems führen.

Weiters soll das interaktive Lernen die Motivation der Schüler verbessern und schüchterne Schüler haben die Chance, sich am Unterricht zu beteiligen. Wenn ein Lehrer dreißig Kinder unterrichtet, ist es nahezu unmöglich, jedem Schüler Aufmerksamkeit zu schenken. Schüchterne und zurückgezogene Schüler leiden oftmals darunter. Mithilfe von technischen Hilfsmitteln haben auch diese Schüler die Chance, sich interaktiv am Unterricht zu beteiligen.

Learning by doing

Weiters bietet die Digitalisierung viel Spielraum für interaktives Lernen. Es gibt verschiedene Lerntypen und jeder Mensch lernt anders, doch Tatsache ist, dass die verschiedenen Arten der Auseinandersetzung mit dem Lernstoff dazu führen, dass Schüler sich Inhalte besser merken. Laptops und Tablets können hierbei ein wichtiger Faktor sein. Der Stoff kann mithilfe von Quizzes, Spielen und Videos den Schülern näher gebracht werden. 

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BRAUCHEN WIR ÜBERHAUPT NOCH LEHRER?

Die Rolle des Lehrers wandelt sich. Er wird eine Art virtueller Coach, welcher die Schüler in der digitalen Welt unterstützt und auf den richtigen Weg lenkt. Der Lehrer, der eigentlich das Zentrum des Unterrichts ist, übernimmt jetzt sozusagen eine Assistenzrolle. Die Zeiten in denen Schule ohne Lehrer unvorstellbar war, gehören langsam der Vergangenheit an. 

Doch sind menschliche Beziehungen nicht ein wichtiger Bestandteil des Lernprozesses? Es gibt Aufgabengebiete, welche nicht von technischen Hilfsmitteln übernommen werden können. Ein Lehrer macht mehr als nur „Stoff vortragen“. Lehrer stellen Verbindungen zu ihren Schülern her. In vielen Fällen dienen sie als Motivations- und Inspirationsquelle. Gute Lehrer können Schüler dazu bringen, sich für Themen zu begeistern, für die sie eigentlich gar kein Interesse haben. 

HEISST DIGITALISIERUNG WIRKLICH IMMER FORTSCHRITT?

In Amsterdam gibt es eine „Steve Jobs“-Schule, die ihren Schülern Lerninhalte großteils mithilfe von Tablets vermittelt. Fun Fact: Steve Jobs hat schon mehrmals gesagt, dass er seinen Kinder gar keinen oder nur beschränkten Zugang zu iPads erlauben würde. Hier sieht man wie zwiegespalten dieses Thema ist.

Dass digitale Hilfsmittel den Lernprozess erleichtern können, wurde schon aufgezeigt. Doch wichtig ist, sich mit der Kehrseite zu beschäftigen. Unterricht mit Laptops, Smartphones und Tablets erfordert einen bestimmten Grad an Multitasking. Dieses ständige Konzentrieren auf mehrere Sachen kann bei Schülern zu einem erhörten Stresslevel führen. Weiters sind die meisten Lehrer nicht genug ausgebildet, um als Medienpädagogen zu fungieren und somit den Schülern die digitale Lernerfahrung zu erleichtern.

Der finanzielle Aspekt muss auch berücksichtigt werden. Kein Land kann es sich leisten, seine Schulen flächendeckend mit PCs oder Tablets zu versorgen. Was übrig bleibt ist „BYOD“ (Bring Your Own Device – Bringe dein eigenes Gerät mit) . Diese Lösung ist mit vielen sozialen und rechtlichen Problemen verbunden. Insbesondere für Kinder aus sozial benachteiligten Familien könnte BYOD sehr problematisch werden. 

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