Fat Acceptance Fails – Wenn eine vermeintlich positive Bewegung toxic wird  (c) Credits Titelbild: pexels.com 

Fat Acceptance Fails – Wenn eine vermeintlich positive Bewegung toxic wird

Von #BodyPositivity zu #FatAcceptance zu #NormalizeObesity – Bewegungen, die eigentlich einen positiven Hintergrund haben. Was mir jedoch vermehrt negativ auffällt, ist die Radikalität mit der diese Bewegungen nicht nur gelebt, sondern auch anderen aufgezwungen werden. Wird man dagegen laut oder wagt es gewisse Aussagen zu hinterfragen, ist man „fatphobic“ und „keine Feministin“. Meinungen werden als Munition missbraucht, und die Spaltung der Gesellschaft nimmt erfolgreich ihren Lauf. 

Wenn ganze Bewegungen auf einen ausgewählten Bruchteil derer reduziert werden, um für eine individuelle, egoistische Agenda genutzt zu werden, wird das Ganze zum Trauerspiel. Wenn man ein bisschen gemein ist, findet man darin vielleicht auch ein Fünkchen Unterhaltung. 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

do you include fat bodies in your depiction of the human form? i’m not talking about straight size folks with a roll of fat on their back from the way they’re twisting their body. i’m talking about superfat or infinifat size bodies . ask yourself if your art would still be amazing if it had fat bodies in it. or does your work rely on fatphobia to be beautiful? or white supremacy? . is your fashion actually culture shifting if it can only be worn by thin bodies? does your work rely on thin supremacy to be relevant? . ask yourself when you look at photography is it beautiful? or is the subject just thin? is thinness still my default for beautiful? . your work isn’t actually pushing boundaries if it’s not including marginalized black, brown, indigenous, disabled, fat, trans bodies

Ein Beitrag geteilt von Sonalee (she/they) LCSW MEd (@thefatsextherapist) am

Nein, ich bin nicht einfach nur „fatphobic“ und ignorant

Disclaimer: Ich möchte mich nicht über übergewichtige Menschen lustig machen, sondern über jene, die jegliche Fakten über Bord werfen, um ein Image zu porträtieren, das nicht gesund und damit schadhaft ist. „Disordered Eating“ geht in beide Richtungen der Waage. Diese kleine Zusammenstellung von „Fat Acceptance“-Fails soll nicht nur zum Schmunzeln bringen, sondern aufzeigen, dass die Problematik von Radikalismus auch in Hinblick auf diese Bewegungen zutrifft.

Ebenso bin ich mir bewusst, dass es für Übergewicht verschiedenste Gründe wie beispielsweise Depression oder PCOS geben kann. Das muss man selbstverständlich erwähnen und in solchen Fällen auch berücksichtigen. Doch massives Übergewicht, das man sich aussucht, in dem man den „einfachen“ Weg der Akzeptanz und vermeintlichen Selbstliebe geht, ist vermeidbar. Langzeitschäden zu ignorieren, um sich im Hier und Jetzt keine Sorgen machen zu müssen ist zwar menschlich aber nicht gesund.

Übergewicht und auch Untergewicht sollte nicht gehasst und auch nicht beschönigt werden. Bewegungen wie „LoseHatenotWeight" verfehlen mittlerweile nicht selten ihre eigentlich durchaus sinnvolle Wirkung. 

Body Positivity: Ja, bitte! Normalize Obesity: Nein, danke.

Die Rede ist nicht von ein paar Kilos zu viel oder sich ab und an einen fettigen Burger zu gönnen. Auch muss man nicht jeden Tag ins Fitnesscenter rennen und nonstop Reis und Brokkoli essen. Mäßigung ist meistens ein guter Weg. Ab und an ein Bier – prost! Jeden Tag zehn davon – vermutlich keine gute Idee. Genauso verhält es sich mit ungesundem Verhalten wie falsche oder zu viel Nahrung zu sich zu nehmen. Wie Anorexie, Bulimie oder Orthorexie ist auch das eine Form von Essstörung und sollte deswegen nicht normalisiert und glorifiziert werden.

Vorbilder wie Tess Holliday oder Sonalee Rashatwar vermitteln ein positives Lebensgefühl und das ist grundsätzlich schön. Andererseits muss auch Aufklärungsarbeit betrieben werden, wo die gesundheitlichen roten Linien verlaufen. Verherrlichung von krankhaftem Übergewicht hat nichts mit Selbstliebe zu tun. Fakten stehen hier leider oder glücklicherweise über Gefühlen.

1. "Self Love" und "Body Positivity" sind nichts für dünne Menschen? 

When your not concerned about people’s health and more so about your influence ... from r/fatlogic

2. Ob Mediziner das genauso sehen? 

Only $1 per month! from r/fatlogic

3. Wenn Entscheidungsfreiheit - was den eigenen Körper anbelangt - obsolet wird 

Cool from r/fatlogic

4. Wie konnte Adele nur abnehmen, ohne das vorher mit intersektionalen Feministinnen abzusprechen? 

5. Der Versuch Feuer mit Feuer zu bekämpfen 

Dish it out but can't take it. from r/fatlogic

6. Noch jemand, der seine eigenen Entscheidungen trifft ... Verrat! 

"It's sad that you decided to hate me by taking care of your health" from r/fatlogic

7. "Bitte poste keine Ganzkörperbilder ... Wir wollen uns hier vor der Gewalt dünner Körper sicher fühlen." Wait what? 

A Classic Example of “Thinspiration” from r/fatlogic

8. Einigen wir uns darauf, dass wir uns hier nicht einig sind 

This one caught me off guard- they're getting creative! from r/fatlogic

9. Mit genügend mentaler Gymnastik können auch Vorher/Nacher-Bilder als persönlicher Angriff angesehen werden 

10. Nein ... nicht mal ansatzweise ist das vergleichbar. 

No. Shut up. Not even close. from r/fatlogic

Krankhaftes Übergewicht wird nicht grundlos „krankhaft“ genannt

Verschiedenste Studien widerlegen eindrucksvoll das Märchen vom gesunden Übergewicht. Neben bekannten Risiken für Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen erhöht ein Zuviel an Körpergewicht unter anderem die Gefahren für Krebs, Depressionen und Demenz. 300 Kilo Übergewicht lassen sich nicht gesund reden. Sie sind es schlichtweg nicht.

Natürlich sei es jedem selbst überlassen, wie man sein Leben leben möchte. Nicht im Traum würde es mir einfallen, jemanden aufgrund seines Gewichts anders zu behandeln oder als minderwertig zu sehen. Respekt gebührt einem jeden Menschen. Do you, Boo. 

Extreme sind weder in die eine, noch in die andere Richtung gut

Krankhaftes Untergewicht ist nicht erstrebenswert und sollte nicht gefördert werden. Ich selbst möchte weder extrem dünne Models, noch extrem übergewichtige Models auf Magazincover sehen. Auch rauchende und saufende Models sind meiner Meinung nach suboptimal. Warum? Weil es schlechte Vorbilder sind und eine Lebenseinstellung normalisiert, die Fakten gänzlich ignoriert. Akzeptanz ist nicht gleichzusetzen mit Gesundheit. Zumindest was die physische Seite anbelangt. Fettleibigkeit ist eine Krankheit und selbst, wenn du dich dafür entscheidest, sie zu lieben, wird sie sich deswegen nicht wie durch Zauberhand in einen gesunden Zustand verwandeln.

Love yourself enough to get healthy?

Niemand sagt, dass man sich nicht selbst lieben soll – in jedem Zustand. Übergewichtig oder untergewichtig. Liebe zu sich selbst ist etwas Positives. Doch aus besagter Liebe zu seinem eigenen Körper ist es sinnvoll unvorteilhafte Zustände, die den eigenen Körper krank machen, so gut wie möglich zu meiden. Ob es das Rauchen von Zigaretten, das Trinken von Alkohol oder eben zu wenig oder zu viel/falsches Essen ist. Sich selbst zu lieben bedeutet für mich, auf meinen Geist und Körper zu achten, und hier spielt Ernährung sowie Bewegung zweifelsfrei eine Rolle.

Hass löst keine Probleme. Darüber sollte man nicht streiten müssen. Grenzenlose Akzeptanz ist in solchen Fällen allerdings auch nur bedingt eine Lösung. Wie so oft wäre ein gesunder Mittelweg vermutlich die Lösung. 

Credits Titelbild: pexels.com 

WARDA NETWORK GmbH