Warum das "Cool Girl" eigentlich alles andere als cool ist (c) unsplash

Warum das "Cool Girl" eigentlich alles andere als cool ist

Die Popkultur hat schon viele Phänomene hervorgebracht, eines davon ist das „Cool Girl“. Stars wie Mila Kunis, Jennifer Lawrence und Megan Fox sind der Inbegriff des „Cool Girls“. Was genau ist ein Cool Girl und warum ist das Ganze alles andere als cool?

"Cool Girl" ist nicht wie andere Frauen

Cool Girl`s wichtigste Eigenschaft: Sie ist anders, als andere Frauen. Schauspielerin Sian Brooke fasst die Problematik folgendermaßen zusammen: Der Versuch weibliche Coolness zu beschreiben bezieht sich immer auf die Anpassung an typische männliche Verhaltensideale. Es ist kein Kompliment, sondern vielmehr internalisierte Misogynie (Anm. d. Red.: Frauenfeindlichkeit), welche impliziert, dass Weiblichkeit etwas ist wofür man sich schämen sollte. 

Männer sind verrückt nach dem Cool Girl. In erster Linie, weil sie keine Fragen stellt. Neben ihrem fehlenden Rückgrat fehlt es ihr auch an Ansprüchen. Cool Girl ist wie dieser eine Haftbefehl Song: Locker easy. Ein weiterer Charakterzug, der das Cool Girl so begehrenswert macht, ist die Tatsache, dass sie nie wütend ist. Denn Wut ist eine unpassende Emotion für Frauen; selbst dann, wenn sie gerechtfertigt ist.

„Hot and understanding. Cool girls never get angry , they only smile in a chagrined, loving manner and let their men do whatever they want. Go ahead, shit on me, I don`t mind, I`m the Cool Girl.“ (dt.: "Heiß und verständnisvoll. Coole Mädchen werden nie wütend, sie lächeln nur auf eine verärgert liebevolle Art und lassen ihre Männer tun, was sie wollen. Mach schon, scheiß auf mich, es macht mir nichts aus, ich bin das coole Mädchen." Exzerpt aus dem  "Cool girl"- Monolog) 

Doch der wichtigste Punkt auf der „Cool Girl“ - Checkliste ist nach wie vor ihr Äußeres. Denn – guess what?- Cool Girl ist nur cool, wenn es auch dem Schönheitsideal der Gesellschaft entspricht. 

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Warum  "Cool Girl" alles andere als cool ist

„And the Cool Girls are even more pathetic: They`re not even pretending to be the woman they want to be, they`re pretending to be the woman a man wants to be.“ (dt.: "Und die Cool Girls sind noch erbärmlicher: Sie geben nicht einmal vor, die Frau zu sein, die sie sein wollen, sie geben vor, die Frau zu sein, die ein Mann will." Exzerpt aus dem "Cool girl"- Monolog) 

Ein weiteres Beispiel für das „Cool Girl“ ist Megan Fox mit ihrer Rolle im Film "Transformers". Cool Girl hat in den meisten Fällen keine eigene Storyline, sondern existiert nur in Interaktion mit männlichen Charakteren. Sie wird in die Objektrolle gedrängt, was man sehr gut an der übersexualisierten Darstellung von Fox erkennen kann. 

Die Tatsache, dass das „Cool Girl“ weiterhin sehr oft in der Popkultur,  aber auch im wahren Leben, vertreten ist könnte an der falschen Annahme liegen, dass diese Schublade nicht schädlich wäre für das weibliche Geschlecht. Vielleicht wiegt das „Cool Girl“- Image die eine oder andere von uns etwas in Sicherheit, doch welchen Preis zahlt man dafür?

Wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass Cool Girl kein Individuum ist, sondern lediglich die Reflexion von ihrem Freund, Mann oder Schwarm. Wenn der Mann ein Nerd ist, liebt das Cool Girl Comics und Videospiele. Wenn er Sportfan ist, liebt sie Trikots und Bier.

"Too many guys think I'm a concept or I complete them or I'm going to make them feel alive, but I'm just a fucked up girl, who is looking for my own peace of mind. Dont assign me yours." – Clementine ( aus dem Film: Eternal Sunshine of the Spotless Mind)

Das Problem ist nicht, dass das Cool Girl Starwars oder Fußball und Bier mag, das Problem ist, dass es ihre ganze Existenz nach einem Mann ausrichtet.

Das „Cool Girl“- Image als Schutzmechanismus

Frauen wurde von der Gesellschaft eine Art Konkurrenzdenken gegenüber anderen Frauen eingetrichtert. Dem "Cool Girl" Phänomen liegt folgender weiblicher Gedanke zu Grunde: Wenn ich einer der Jungs bin und mich von anderen Frauen distanziere, werden Männer mich mit dem gleichen Respekt behandeln wie ihre männlichen Kumpels. Die Idee dahinter ist folgende: Wenn ich mich der Gruppe, welche Macht und Stärke repräsentiert, anschließe, erlange ich selbst auch Zugang zu diesen Ressourcen.

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Spoiler: Du bist nicht die Ausnahme!

Das schlimmste daran: Die ganze  "Cool Girl" - Sache scheint zu funktionieren. Geh mit einem Skateboard unter dem Arm raus und plötzlich wirst du von Männern bestaunt, als wärst du der Messias oder Lionel Messi, je nachdem ob sie eher auf Jesus oder auf Fußball stehen - vorausgesetzt du entsprichst einem gewissen Schönheitsideal versteht sich, siehe erster und wichtigster Schritt auf der "Cool Girl" - Checkliste.

Wie man im Film "Gone Girl" deutlich feststellen kann, hat "Cool Girl" ein Ablaufdatum. Denn kein Mensch kann diesen unmöglichen Standards auf lange Zeit gerecht werden. Ich muss an eine bestimmte Szene aus „Freunde mit gewissen Vorzügen“ denken, wo Justin Timberlake seinen Freunden versucht zu erklären, dass Mila Kunis keine typische Frau sei. Einer seiner Freunde antwortet wie folgt: „Hat sie einen Penis wo andere Frauen eine Vagina haben? Nein, dann ist sie nicht anders." 

Es ist ein Wettbewerb, den du nicht gewinnen kannst, weil du als Frau gegen das Frausein kämpfst. Egal wie locker und cool das "Cool Girl" ist, schlussendlich hat es sich dem patriarchalen System untergeordnet. Im Endeffekt ist es Teil des misogynen Zirkus und springt durch brennende Reifen, in der Hoffnung man schenkt ihr etwas Anerkennung als Belohnung - diese ist temporär beschränkt und macht vor allem dich selbst nicht glücklich.

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