Die Folgen für die ältere Generation - und ein kleiner positiver Nebeneffekt (c) Titelbild Credits: Shutterstock

Die Folgen für die ältere Generation - und ein kleiner positiver Nebeneffekt

Kontaktverbot! Es ist eine Ausnahmesituation – und zwar für jeden von uns. Die Coronavirus-Krise hat jedes Individuum fest im Griff, doch manche brauchen gerade jetzt den seelischen Beistand und die Nähe ihrer Liebsten am allermeisten – die Omas und Opas, die ältere Generation. Von der physischen Gefahr, den psychischen Leide und einem Nebeneffekt, den wir auch nach Corona beibehalten sollten,

Kontaktverbot - ein besonders hartes Los für ältere Menschen

Egal, ob man gerade Radio hört, vorm Fernseher sitzt oder Zeitung liest, überall scheint es nur dieses eine Thema zu geben – das Coronavirus. Wenn man dann aber zu allem Übel auch noch einer Risikogruppe angehört und das eigene Leben tatsächlich auf dem Spiel steht, ist die Angst indes von anderer Intensität. Und die Menschen, die einem normalerweise in einer derart belastenden Situation beiseite stehen sollten, dürfen dies in der jetzigen Lage – zumindest vor Ort – nicht tun. 

Viele Menschen kämpfen im Alter mit depressiven Verstimmungen, sozialer Deprivation und verstärkter Einsamkeit. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Besuche von Freunden, Verwandten oder aber auch vom Pflegepersonal wirken unterstützend und angstlindernd. Was aber, wenn das nicht möglich ist? Wenn ältere Menschen nahezu komplett auf sich alleine gestellt sind, alleine mit ihren Gefühlen, Gedanken und Ängsten.

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Neben den stets präsenten psychischen Erschwernissen, müssen sie dann noch mit der grauenhaften Erkenntnis zurechtkommen, dass da draußen etwas lauert, das ihnen das Leben kosten könnte. Und damit dies verhindert werden kann, ist Kontaktverbot angesagt.

Keine Familie, keine Freunde, keinerlei soziale Interaktion, nur die täglichen medialen Meldungen, welche mit jedem Wort die Unsicherheit und Todesfurcht nähren und niemand vor Ort, der einen in den Arm nehmen und besänftigen kann – und das für nicht absehbare Zeit. Folglich ein ziemlich hartes Los für ältere Menschen. Aber so furchtbar dies auch klingen mag, hat diese Ausnahmesituation doch hier und da positive Attitüden innerhalb der Gesellschaft hervorgelockt – besonders was die Familiendynamik betrifft.

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Ihr seid nicht allein - auch, wenn wir nicht bei euch sein können!

Oma, Opa – haltet durch, bald haben wir uns wieder!“ dröhnt es jetzt häufiger als je zuvor durch die Telefone unserer österreichischen SeniorInnen. „Wir können es kaum erwarten, euch wiederzusehen!“. Die gegenwärtige Krise scheint bei vielen von uns wieder das ins Gedächtnis zu rufen, was von fundamentaler Bedeutung ist – Familie, Gesundheit, Zusammenhalt

Wir können unseren lieben Omas und Opas zwar gerade nicht face-to-face sagen, wie lieb wir sie haben, sie umarmen und ihnen ein Alles-wird-gut-Bussi auf die Wange drücken, jedoch – und das ist in Zeiten wie diesen von immenser Bedeutung – können wir sie via Nachrichten, Sprachanruf oder Videochat so gut es geht unterstützen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie nicht alleine sind und wir an sie denken. 

Mit der alltäglichen, beruflichen und persönlichen Misere hantierend, vergessen wir häufig auf all jene, die uns eigentlich am meisten bedeuten und die sich unendlich um uns sorgen – unsere Eltern und Großeltern. Aber wieso bedarf es stetig eine angsteinflößende Situation, eine brenzlige Lage, sogar eine derartige Krise, die einem die reizüberfluteten Augen öffnet: „Ups, ich habe da ja noch meine Eltern und Großeltern, die sich um mich sorgen und die meine Hilfe und meine emotionale Unterstützung benötigen!“ 

Nicht nur in dieser Ausnahmesituation ist Kontakt zur Familie und Freunden äußerst elementar für ältere Menschen. Sich mit den Menschen zu umgeben, die einen lieben und schätzen – auch wenn es momentan nur übers Telefon möglich ist – hilft dabei, den täglichen, seelischen Strapazen ein wenig zu entkommen und schlicht weg für einen Moment sorgenfrei und glücklich zu sein.

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Bleibt Oma und Opa treu - auch nach Corona

Das Bewusstsein aller Familien hat sich verändert. Und das sollte es auch dauerhaft. Die Gefahr, nach der Coronakrise wieder in den alten Habitus zu verfallen ist groß. Denn dann ist ja praktisch wieder alles gut und wir können uns gemütlich in den Sessel fallen lassen, uns erfolgsverwöhnt auf die Schulter klopfen und aus tiefster Überzeugung meinen: „So, wir haben uns ausreichend um Oma und Opa gekümmert, jetzt kommen sie wieder gut ohne uns zurecht!“. Das ist jedoch der falsche Ansatz.

Besuche bei Oma und Opawenn wieder ohne Bedenken möglich versteht sich – sollten sich in den Familienkreisen weitgehend etablieren. Auch wenn das Berufsleben stressig, der Alltagstrott lähmend und die Zeit für Freizeitaktivitäten knapp ist, sollte man darauf achten, seine Prioritäten richtig zu setzen. 

Auch ohne Krise, die einem im Genick hockt, sollten wir den Eltern und Großeltern beim Einkauf helfen, einen gschwindn’ Café mit ihnen trinken, ein nettes Plauscherl halten und niemals vergessen, wie unvorstellbar wichtig sie uns sind und wie viel sie bereits für uns getan haben. Einfach dankbar sein, dass wir sie in unserem Leben haben. Einfach ein Stück zurückgeben. Für sie da sein. In guten wie in schlechten Zeiten. Und das nicht nur am Mutter- und  Vatertag (aber auch!). Sondern unentwegt.

Bis wir sie wieder fest umarmen und abbusseln können, wird fraglos noch einige Zeit vergehen und bis dahin heißt es: weiter fleißig tratschen und wertschätzen übers Telefon:Oma, Opa – haltet durch, bald haben wir uns wieder!“ – ganz bestimmt.

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