Auf Wheels durch Wien (c) Titelbild von Jochen Russmann mit freundlicher Genehmigung der Wrapstars.

Auf Wheels durch Wien

Seit einem Jahr fahren die Wrapstars nun schon mit Österreichs erstem Food-Truck durch Wien. Gutes Essen, mobil und immer da, wo Nachfrage herrscht — das ist ihr Konzept. Zwei der Jungs haben mit uns über die Höhen und Tiefen des Jungunternehmertums gesprochen.

WARDA: Mobilität ist euer oberstes Gebot. Doch wie genau kommt ihr zu euren verschiedenen Standplätzen?

Marko: 
Das kommt darauf an, ob der Grund öffentlich oder privat ist. Wir kontaktieren gezielt Firmen, von denen wir glauben, dass die Mitarbeiter Interesse an unserem Angebot haben könnten. Meistens sind das eher junge und moderne Firmen. Bei traditionellen Unternehmen haben wir die Erfahrung gemacht, dass auch die Mitarbeiter sehr traditionell eingestellt sind und kein Bock auf so ein Konzept wie unseres haben.

Und an öffentlichen Plätzen?

Marko: 
Bei öffentlichen Plätzen schalten sich ungefähr zwölf Parteien ein, vom Verkehrsamt bis zur Stadtentwicklung oder der Gaspolizei. Jede dieser Parteien muss zustimmen. Deswegen versuchen wir das nur, wenn uns der Standort wirklich wichtig ist. Die Chance, dass zwölf Parteien zusagen, ist sehr gering. Umso näher man in die Innenstadt kommt, desto schwieriger wird es auch mit den Plätzen.

Aber das Street Food Konzept funktioniert in anderen Städten doch auch?

Marko: 
Ich glaube nicht, dass es ein rein rechtliches oder bürokratisches Problem ist. Wir sind ja nicht verboten. In meinen Augen spielt Politik an vielen Locations auch eine wichtige Rolle. Wenn man nicht die richtigen Kontakte hat, bekommt man den Standort auch nicht.

Wie könnte sich daran etwas ändern?

Matthias: 
Wenn es mehrere Food-Trucks gäbe, könnte man auch mehr Druck ausüben. So ist es nur ein Truck, der leicht untergeht. Uns kontaktieren viele Interessierte, weil sie mit einem eigenen Truck durchstarten wollen. Die sind dann aber immer abgeschreckt, wenn sie hören, wie schwierig die Standortsuche ist. 

Marko: 
Wenn wir weiterhin nach außen so wirken, dass das funktioniert, dann wird das auch andere motivieren. Und die Magistrate wissen dann auch schon, was Food-Trucks sind.

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Foto von Jochen Russmann mit freundlicher Genehmigung der Wrapstars.

Auf welchen Standort habt ihr besonders lange gewartet?

Marko: 

Vor kurzem sind wir auf der Freyung gestanden. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir da die Genehmigung bekommen haben.

Wie sieht der Unterschied zu anderen Städten aus?

Marko: 
Die Gesetze sind teilweise anders, aber auch die Mentalität der Ämter unterscheidet sich. In Deutschland haben uns Street Food-Kollegen erzählt, dass man von den Ämtern unterstützt wird. Die Mitarbeiter versuchen dort, mit dir gemeinsam eine Lösung zu finden, sodass du dein Geschäft betreiben kannst. Bei uns ist das eher ein Gegeneinander.

Matthias: 
In Frankfurt ist zum Beispiel auch das Reglement ganz anders. Die dürfen überall stehen, nur nicht ganz im Zentrum. Das wäre, als könnte man in Wien überall stehen, nur nicht innerhalb des Rings. Die Trucks brauchen nur eine Genehmigung für diesen gesamten Frankfurter Außenring.

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Foto mit freundlicher Genehmigung von den Wrapstars.

Wäre denn ein fixer Standort für euch denkbar?

Matthias: 
Ich sage niemals nie, aber wir wollen uns auf das Mittagsgeschäft konzentrieren, deswegen haben wir begonnen. Wir wollten nicht in die traditionelle Gastronomie und auch nicht nur Event Catering machen.

Marko: 
Es geht um das mobile Konzept. Dass wir immer dort hinfahren, wo die Nachfrage ist. Es gibt viele Orte, die von einem klassischen Konzept einfach nicht versorgt werden können. Dort rentiert es sich nicht, fünf Tage die Woche ein Restaurant zu betreiben. Da muss man sich eben temporäre Konzepte überlegen.

Wie schwierig ist es, eure Standorte zu bewerben?

Matthias: 
Das ist schwierig, aber da liegt auch viel an uns. Da haben wir unser Potential noch nicht ganz ausgeschöpft.

Marko:
Bei jedem neuen Standort muss man herausfinden, wo sich die Menschen über das Essensangebot informieren. Am besten ist es, wenn der Standortbetreiber selbst für uns Werbung macht. Was aber am meisten bringt, ist, wenn Leute einmal bei uns essen und das dann weitererzählen. Wenn man die richtigen Menschen erwischt, dann verselbstständigt sich das. Diesen Nerv müssen wir einfach treffen. An manchen Orten gelingt uns das, an manchen nicht. Wir können noch nicht genau sagen, woran das liegt.

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Foto mit freundlicher Genehmigung von den Wrapstars

Wie lange im Voraus plant ihr eure Einsätze?

Marko:
Wir haben mittlerweile vier fixe Standorte, an denen wir regelmäßig verkaufen. Das sind zum Beispiel die Vetmed, das Zentrum für Translationswissenschaften, das Stadtbiotop bei der WU und am Freitag der Volksgarten. Dann bekommen wir noch Anfragen für Caterings, die kommen oft einen Monat früher rein, manchmal eine Woche davor. Eine Woche Anlaufzeit ist das Mindeste.

Womit lockt ihr potentielle Partner in Meetings?

Marko:
Um einen Standort zu bekommen, müssen wir die Entscheider der jeweiligen Firma begeistern. Manche finden das total cool, kennen es vielleicht aus Amerika oder freuen sich einfach über das neue Essensangebot. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendeinem Mitarbeiter nicht gefällt, wenn es einmal etwas anderes zu Essen gibt.

Rentiert sich der Truck für euch schon, schreibt ihr schwarze Zahlen?

Marko:
Seit einem Monat schon. Wir haben dieses Jahr auch wesentlich mehr Umsatz gemacht, als wir uns zum Ziel genommen haben. Der letzte Monat war toll für uns, wir waren wirklich regelmäßig an vielen Standorten. Wenn das so weiterläuft, hat unser Konzept echt Zukunft!

Seid ihr jetzt bald reich und berühmt?

Matthias:
Keiner sollte sich selbstständig machen, weil er sich Fame und Kohle wünscht. Am Anfang ist das einfach nur harte Arbeit. Man darf sich für nichts zu gut sein. 

Vielen Dank, Jungs!

Titelbild von Jochen Russmann mit freundlicher Genehmigung der Wrapstars.

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